Gute Tat

Jeden Tag eine gute Tat – Woche 1

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Gute Tat #1
Ein wunderbarer Tag voller Möglichkeiten Gutes zu tun. Dabei musste ich heute nicht einmal auf die Suche gehen. Zunächst einmal war ich mit einer Freundin einkaufen (sie hat kein Auto und ich fahre sowieso jede Woche zum Supermarkt, also tun wir uns zusammen), da sie sich einen Zeh gebrochen hat biete ich ihr an ihre Einkäufe hoch zu tragen. 4. Stock – kein Aufzug natürlich. Ich bin zweimal gelaufen, also hab ich in diesem Fall auch schon mein tägliches Fitnessprogramm absolviert. Die Avocado die in ihrer Tasche gelandet ist, überlasse ich ihr selbstverständlich auch. Guacamole gibt es halt erst nächste Woche wieder.
Vor dem Supermarkt saß ein Bettler, dass mindeste was ich in so einem Fall hergebe ich ein Lächeln und ein Hallo. Heute habe ich mich zusätzlich für ein Fleischkäse-Brötchen, zwei Berliner und eine Limonade entschieden. Sein dankbares Strahlen war die 6,56 € auf jeden Fall wert. Und da ich in einem positiven Flow bin, lasse ich den Mann an der Kasse, der nur eine Zeitschrift kaufen wollte, selbstverständlich auch vor. Bäääm – noch ein Lächeln.
Am Nachmittag entscheide ich mich spontan eine Freundin zu besuchen und bringe ihr (da ich weiss dass sie diese sehr gern hat) Cupcakes mit. Auch dieser Umweg in die Bäckerei hat sich mehr als gelohnt.
Da heute die Fastenzeit beginnt, habe ich beschlossen (um mehr stille Zeit und Zeit fürs Gebet zu haben) auf TV und Filme 40 Tage lang zu verzichten. Diejenigen die mich schon eine Weile kennen wissen, dass es mir als Filmjunkie absolut nicht leicht fallen wird. Aber auch da bin ich der Meinung, dass sich das lohnt. Aus diesem Grund mochte ich aber jemanden meinen Online-Streaming Dienst für diese Zeit zur Verfügung stellen. Du kannst bis Ostern 10 aktuelle Filme pro Monat online streamen (Internet TV, Notebook, Natel, Tablet), oder unbegrenzt DVDs und Bluerays nach Hause bestellen (nur in der Schweiz möglich). Wenn du Interesse hast, so schreibe mir doch eine Nachricht.
Und zu guter letzt investiere ich eine Stunde meiner Zeit (die habe ich nun ja, da ich heute keinen Film schauen werde und auch die Folge „Bachelor“ lasse ich weg), um eine Abschlussarbeit zu korrigieren.

 

Gute Tat #2
Auch am heutigen Arbeitstag bieten sich mir Chancen Gutes zu tun. Einer Arbeitskollegin habe ich ein Getränk aus der Cafeteria spendiert und einer anderen, deren Magen schon laut klagend geknurrt hat, die Hälfte meines Mittagessens (keine Sorge ich hatte ausreichend zu essen – der große Vorteil daran etwas mehr als nötig zu kochen ist, dass man es teilen kann) überlassen.
Mein Highlight jedoch war ein Post-It Zettel am Spiegel der Toilette -> ich hatte „du bist schön“ drauf geschrieben und damit zwei Frauen ein Lächeln geschenkt. Nun bereite ich für die drei Kinder, die ich heute Abend bekochen darf, eine Schokoladenmousse zu. Einfach so!

 

Gute Tat #3
Heute bin ich ganz und gar im Geber-Modus, also nutze ich die Zeit vor dem Spätdienst um einige meiner Besitztümer auszusortieren. Für ein Paket in die Ukraine sortiere ich Kleider aus. Es sind auch welche dabei die ich bis zuletzt gerne getragen habe, doch es sind immer noch genügend Kleider in meinem Schrank.
Danach ist die Küche dran. Auch dort finden sich Utensilien die ich schon länger nicht mehr verwendet habe. Diese verschenke ich an meine Freunde via Facebook, oder spende sie an Flüchtlinge und Asylsuchende.
Zudem beschließe ich ab heute jede Woche die Kehrwoche (das Reinigen des Treppenhauses) zu übernehmen. Das hat eine Vorgeschichte. Mein Nachbar – wohnt direkt gegenüber – und ich waren in den letzten 11 Jahren bereits häufiger unterschiedlicher Meinung darüber wer nun an der Reihe sei. Ich hatte zweimal ein Gespräch mit ihm gesucht, wurde jedoch abgeblitzt. Statt dessen beklagte er sich lautstark bei den anderen Nachbarn, dass ich meinen Beitrag nicht leiste. Ich schiebe das nicht seinen stattlichen 93 Jahren (!) zu, sondern seinen zwanghaften Gewohnheiten. Nun, ab heute putze ich eben jede Woche und stelle ihm seine Fussabtrettmatte so hin, dass erkennbar wird dass sauber gemacht wurde. Bin gespannt wie das ankommt.
Beim Einkaufen mit den Patienten nutze ich die kurze Pause in der Toilette, um wieder meine „du bist schön“-Zettel am Spiegel zu platzieren. Dabei frage ich mich ob wohl schon jemand untersucht hat, welche Kabine am häufigsten genutzt wird. Vorne? Hinten? Links oder rechts? Das Ergebnis würde meine ich-verteile-positive-Botschaften-Quote womöglich beträchtlich steigern. Außerdem merke ich ja, dass ich mit dieser Methode nur die Frauen erreiche. Muss mir also dringen Gedanken darüber machen, mit welcher Methode ich den Männern anonyme Komplimente zukommen lassen kann. Dabei taucht eine weitere Frage auf! Was hören Männer gern? „Du bist genial!? Du bist der beste!? Du bisch en gaile siäch!?“ Für Tipps und Ideen bin ich sehr dankbar.

 

Gute Tat #4
Heute Vormittag beschließe ich mit meinem Sohn gemeinsam Saxophon zu üben (ich begleite ihn am Klavier), um seine Motivation zu steigern. Da er aber aus einem anderen Grund bereits vorher frustriert war, schmiss er das gemeinsame Üben nach weniger als fünf Minuten hin und ging stinkig alleine weiter spielen. Meine gute Tat war somit hinfällig. Andererseits soll man als Eltern seine Kinder ja einmal täglich frustrieren, damit sie zu besseren sozialen Wesen werden. Was ich mit meiner Aussage – „Lass deine schlechte Laune bitte nicht an mir aus.“ – sicherlich auch getan habe.
Später wollte ich meinem Sohn noch ein paar Tipps dazu geben, wie man leichter auf das Fahrrad steigt (der Rahmen von seinem neuen Fahrrad ist für seine Größe etwas zu hoch) und anschließend eine kleine Fahrradtour mit ihm machen. Im Keller angekommen musste ich feststellen, dass mein Fahrradventil hinüber ist und der Platten am Vorderrad sich nicht sofort beheben lässt. Fahrradtour gestrichen. Immerhin lernt er aber das Auf- und Absteigen von mir.
Am Nachmittag möchte ich in der Drogerie der Kassiererin das Wechselgeld schenken, sie hebt nur die Augenbrauen und gibt mir das Geld mit der Bemerkung „das darf ich nicht nehmen“ zurück. Manchmal ist es gar nicht so einfach großzügig zu sein.
Immerhin darf ich das Abendessen für meine Mama und meinen Sohn bezahlen. Und habe kurz darauf meinem Sohn gesagt, dass er sehr schlau ist. (Oma: „Wir müssen unbedingt noch Kaugummi kaufen. Ich halte es ohne nicht aus.“ Mein Sohn: „Babi du schaffst das sicher, schließlich hast du es ja auch ohne Zigaretten geschafft.“ Bravo!)
Meine „härteste“ gute Tat heute war es aber jemandem 1 Stunde zuzuhören. Nichts besonderes denkst du! Mag sein. Trifft aber nicht bei Menschen zu die ohne Unterbruch nur über sich reden, die dich zuvor mehrmals verletzt haben, die du nicht unbedingt zu dir nach Hause einladen würdest und die dich erst beim heraus gehen fragen wie es dir selber eigentlich geht.

 

Gute Tat #5
Die heutige gute Tat wird voraussichtlich einige Monate andauern. Da meine Mama aus gesundheitlichen Gründen die nächsten Wochen / Monate nicht zuhause sein wird, nehmen wir ihre Katze zu uns nach Hause. Ich investiere Zeit, Geld, viel Liebe und verzichte auf Schlaf (Trixie möchte jeden Morgen pünktlich gefüttert werden und schläft auch nachts nicht gern allein) dafür. Allerdings werde ich hingegen mit vielen Schmuseeinheiten, einem kostenlosen Weckdienst, wohltuendem Schnurren und einem glücklichen Katzengesicht belohnt wenn ich nach Hause komme.
Meine zweite gute Tat für heute besteht darin in der Krise einen Schritt zurück zu gehen und mir Zeit zu nehmen nach zu denken. Das hat dazu geführt, dass mein Sohn anstatt einer ungerechten und sinnlosen Strafe, eine sinnvolle Konsequenz seiner Handlung erfahren dürfte. Erziehung ist nicht nur herausfordernd, sondern macht auch noch Spaß.
Die letzte Tat gilt für heute meinem Liebsten. Seine geschundene Wadenmuskulatur erhält nun eine Massage von mir.

 

Gute Tat #6
Nach einem Gespräch mit einer Freundin heute Morgen, habe ich mich dazu entschlossen wiederholt einen kleinen Betrag an die ASAF (Asien-Afrika-Mission E.V. und zwar an das Projekt „Osiligi – Hoffnung für Kinder“) zu spenden. Denn es berührt mich zutiefst zu hören wie Brigitte Winkels, mit den wenigen Mitteln die ihr zur Verfügung stehen, im Land der Massai Hoffnung, Liebe und Güte aussäet. Den richtigen Zeitpunkt zum spenden gibt es in meinen Augen nicht. Die Rechnungen flattern jeden Monat ins Haus und auch diesen Monat verwalte ich mein Budget achtsam. Dafür bin ich aber der Meinung, dass jeder mit dem was er geben kann auch Großes bewirken tut.
Zudem habe ich im Rahmen einer meiner Entrümpelungsaktionen diverse Kosmetikartikel aussortiert, die ich heute meinen „Montagsfrauen“ in der Kleingruppe schenken werde.

 

Gute Tat #7
Heute morgen habe ich via TEDTalks einen Vortrag von Jeff Kirschner darüber gehört, wie seine Kinder ihn dazu inspiriert haben – durch Abfall sammeln – die Welt ein Stück zu verbessern. Er kreierte eine App „Litterati“ wodurch mittlerweile eine weltweite Gemeinschaft von Müllsammlern entstanden ist. Ratet mal wer ab heute mit sammelt!? Und nein, ich werde nicht von jedem Abfallstück dass ich von nun an einsammle, ein Foto machen. Aber es ist gut zu wissen, dass auch andere ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten. Lasst uns die Welt gemeinsam säubern/verbessern. Stück für Stück.
Am Nachmittag hatte ich die Gelegenheit einem Mann ohne Auto seine Einkäufe nach Hause zu fahren.
Und um das ganze heute abzurunden, habe ich am Abend – nachdem unsere AuPair unerwartet die Kündigung eingereicht hat – beschlossen mit Verständnis und positivem Zuspruch zu reagieren.

Alewtina R.
Ich bin in der Ukraine geboren, in Deutschland aufgewachsen und lebe nun in der Schweiz. Je 1/3 meines Lebens habe ich in einem anderem Land verbracht. Die unterschiedlichen Kulturen haben mich vielfältig geprägt und davon profitiert auch meine Schreibkunst.

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