Gute Tat

Jeden Tag eine gute Tat – Woche 4

1042 views

Gute Tat #22
Eins vorweg: mein Tag verlief heute so ganz anders als erwartet.
Da ich heute frei habe (ist übrigens der Lohn dafür, dass ich am Wochenende arbeiten darf), habe ich die Besuchstage in der Schule genutzt, um meinen Sohn zu besuchen und mir einen Eindruck von seinem Unterricht zu verschaffen. Er hat sich sehr gefreut. Und ich geniesse es den Kindern in der Klasse jahrelang beim Wachsen zuzusehen.
Am Mittag war eine Badminton-Session geplant. Leider wurde meine Spielpartnerin krank. So hatte ich aber die Gelegenheit mal wieder den Backpinsel zu schwingen. Daraus sind Möhren-Orangen-Muffins entstanden die ich heute verschenkt habe. Als erstes sollte mein jüngstes Patenkind in den Genuss kommen. Als ich die frohe Botschaft mitteilen wollte, erzählte mir meine Freundin (die Mama des wunderbaren Kindes), dass sie sich auf dem Balkon ausgesperrt habe. Aber alles gut. Der Schlüsseldienst ist unterwegs. Somit warten die guten Muffins geduldig im Milchkasten (ich lebe diese vielseitigen Kästchen!). Die zweite Ladung ging an mein älteres Patenkind. Doch bevor diese verköstigt werden konnte, kam der Notruf…
Meine Freundin ruft mich weinend an und berichtet, dass sie immer noch auf dem Balkon ausgesperrt ist (mittlerweile waren das laaaaaaaange 90 Minuten bei 9 Grad und ohne ausreichende Bekleidung). Ihre zweijährige Tochter habe sich geschnitten und steht blutend vor der Glastür. Horrorbilder schiessen durch meinen Kopf. So schnell wie zu diesem Zeitpunkt habe ich kein Haus verlassen.
Kennt Ihr das? Wenn es schnell gehen soll, zieht sich die Zeit wie Baumharz. Dann kommen mir 15 Minuten Autofahrt unendlich vor und alle anderen Verkehrsteilnehmer fahren gefühlt im Schneckentempo.
Unterwegs haben wir das Telefonat aufrechterhalten und ich habe irgendwie versucht meine Freundin zu beruhigen. Als ich ankam war der Schlüsseldienst immer noch nicht da. Leider hatten Menschen, Computer und der Verkehr in diesem Fall einen negativen Einfluss auf die Situation.
Nach zwei Stunden – als der Schlüsseldienst vor Ort war hat es zum Glück keine 60 Sekunden gedauert bis er die Tür öffnen konnte – konnte ich in die Wohnung und meine Freundin „befreien“. Kurze Bestandsaufnahme: Mama in Ordnung auch wenn etwas unter Schock. Kind hat eine leichte Schnittverletzung. Es gibt ein neues Schloss. Glasscherben und Blut werden beseitigt.
Danach kommt der zweite Schreck: Der Schlüsseldienst kostet 600.- CHF (und er hat 100.- CHF Rabatt gewährt, weil es so lange gedauert hat). Bezahlt wird bitte sofort, sonst baut er den neuen Zylinder aus und die kleine Familie bleibt ohne Wohnungstürschloss. Welches alleinerziehende Elternteil hat bitte so viel Geld am Ende vom Monat zuhause herum liegen???
Also bin ich kurzerhand nach Hause gedüst, habe alle meine Sparstrümpfe geleert (auch die von meinem Sohn) und habe die Rechnung beglichen.
Das war Tag 22. Bin wirklich neugierig und gespannt was mir der Rest vom Jahr noch bringt.

 

Gute Tat #23
Obwohl ich diesen Vers erst am Abend gelesen habe, zeigt er deutlich meine heutige Haltung:
„Überhebt euch nicht über andere, seid freundlich und geduldig! Geht in Liebe aufeinander ein!“ (Epheser‬ ‭4:2‬ ‭HFA‬‬)
Wenn mein Kind wieder ein mal bei den Hausaufgaben streikt, entscheide ich mich dafür geduldig zu bleiben.
Wenn mein Patient mich innerhalb einer Stunde alle zwei bis drei Minuten nach der Uhrzeit fragt, entscheide ich mich dazu gelassen zu bleiben.
Wenn die Bedienung im Restaurant mich keines Blickes würdigt und statt dessen in der Küche (laut hörbar) über mich und meine Begleitung her zieht, entscheide ich mich freundlich zu bleiben.
Ich glaube an Veränderung im Kleinen. Und auch daran, dass jeder einzelne etwas bewirken kann.

 

Gute Tat #24
Heute Abend habe ich mich entschieden meine Zeit und mein Gehör zu verschenken. Also habe ich mit zwei wunderbaren Frauen telefoniert, die ich schon länger nicht mehr gesprochen habe.

 

Gute Tat #25
Heute habe ich einer Freundin zum Essen kaufen Geld geliehen.
Dann habe ich noch das Netzkabel für ein iPhone verleihen dürfen. Ach, was waren das noch schöne Zeiten, als man das Nokia Handy nur ein mal in der Woche aufladen musste.
Bei der Arbeit habe ich feuchtwarme Wickel gegen Rückenschmerzen gemacht.
Außerdem habe ich für eine Freundin einen geruchsneutralisierenden Raumduft mit ätherischen Ölen erstellt. (Gut bei Haustiergerüchen oder wenn beide Kinder Magen-Darm-Grippe haben. 😉)
Und gleich nach Feierabend ziehe ich los, um meine Kollegin bei ihrem Live-Auftritt auf der Bühne moralisch zu unterstützen. 🎶🎙

 

Gute Tat #26
Heute habe ich mich dazu entschieden meine weiße Armbanduhr zu verschenken. Schließlich hatte ich drei davon und nur zwei Arme. Und die Beschenkte konnte sich keine einzige leisten.

 

Gute Tat #27
Heute gab es Trinkgeld für den Zweiradmechaniker, der sich, trotz der vielen Arbeit, so richtig ins Zeug gelegt hat unser Fahrrad so schnell wie möglich zu reparieren.

 

Gute Tat #28
Wenn du mit einem dankbaren und großzügigen Herzen morgens aus dem Bett springst. (Na gut, heute bin ich eher aus dem Bett geschlichen. Aber sehr motiviert.) Wird dir das Leben die Augen für viele Gelegenheiten öffnen.
Zunächst war es mir heute ein Anliegen jemandem Danke zu sagen, der es sonst nicht/nie hört. Und deswegen fiel meine Wahl auf die Mitarbeiter im TASCH (Tagesraum Schaffhausen). Die täglich und Jahr für Jahr die Drogenabhängigen in unserer Stadt empfangen, ihre Wunden versorgen, Ihnen sauberes Spritzbesteck zur Verfügung stellen und letztendlich auch dadurch gewährleisten, dass unsere Wälder und Spielplätze von benutztem Drogenbesteck sauber bleiben.
Als Dank habe ich Ihnen heute eine Tasche voll mit frischem Obst, Keksen und Schokolade gebracht. Die Überraschung war groß und ich wurde zunächst schon beinahe mit Skepsis empfangen. Nachdem meine Motivation geklärt war, wurde das Dankeschön auch mit freudigem Herzen angenommen. Das Beste waren aber die vier Klienten die ich vor Ort getroffen habe, die mich ebenfalls mit einem Lächeln herzlich begrüßt haben. –> Das ist im Alltag bei den meisten Menschen leider nicht so selbstverständlich.
Bei meinem Einkauf zuvor ist mir eine junge Frau ins Auge gesprungen, die bettelnd vor dem Supermarkt saß. Ich sage euch eins, ich treffe meistens dann auf Bettler, wenn mir nicht gerade nach Geben und Unterhaltung ist. Aber die Überwindung zur Kontaktaufnahme lohnt sich jedes Mal!
So habe ich heute Ildiko (23 Jahre) aus der Slowakei kennen gelernt. Leider habe ich kurzfristig niemanden ans Telefon holen können, der mir aus dem ungarischen übersetzen kann, um mehr von ihrer Geschichte zu erfahren. Klar war nur, dass sie in ihrem Auto schläft und Geld für Essen sammelt. Also sind wir gemeinsam zum Einkaufen und sie dürfte den Einkaufswagen füllen mit allem was sie braucht. Nachdem die Einkäufe in ihrem Auto verstaut waren, die Frau hatte nicht mal eine richtig warme Decke im Auto für die Nacht, hat Ildiko sich herzlich bedankt. Und ich habe sie mit einem Segen meinerseits verlassen.
Für heute ist es nun gut mit den guten Taten aus Liebe. Ich tauche unter und überlasse meinen Antikörpern den Kampf gegen die hartnäckigen Viren. Dabei ignoriere ich so gut es geht die Wirkung der Prostaglandine in meinen Gliedern. Bis bald.

Alewtina R.
Ich bin in der Ukraine geboren, in Deutschland aufgewachsen und lebe nun in der Schweiz. Je 1/3 meines Lebens habe ich in einem anderem Land verbracht. Die unterschiedlichen Kulturen haben mich vielfältig geprägt und davon profitiert auch meine Schreibkunst.

Leave a Response